Die Horner Kirche

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An diesem Ort haben sich seit über 800 Jahren Menschen zum Gottesdienst versammelt, um Lob und Dank, Not und Bitten vor Gott zu bringen.

Hier einige Hinweise auf die Geschichte und mehrfach veränderte Gestalt des Gotteshauses:

Die Kirche „Ecclesia sancte crucis tom Horne“, Kirche vom Heiligen Kreuz zu Horn, im Jahre 1185 erstmals urkundlich erwähnt, wurde vermutlich etwa 70 Jahre früher durch Zuzug holländischer Kolonisten mit ihrem Priester aus der Utrechter Gegend gebaut. Diese entwässerten kenntnisreich das weithin versumpfte Umland. Der Name „Ecclesia sancte crucis erinnert an die Zeit der damaligen Kreuzzüge. „Tom Horne“ bezeichnet die höchste Stelle der niedrigen, von zwei Wasserläufen begrenzten Lage. – Diese Kirche, errichtet unter Verwendung von Granit, rotem Backstein und Tuff, blieb trotz arger Verwüstungen im Schmalkaldischen Krieg (1547) bis 1822 stehen. Dann musste sie wegen Baufälligkeit abgetragen werden.


Die Kirche zu Horn mit dem älteren Turm.
Nach einer Zeichnung von Radl, 1820


Am gleichen Ort entstand eine neue Kirche im Stil des klassizistischen Saalbaues unter weitgehender Verwendung des alten Baumaterials. Der ursprünglich im Westen stehende Turm wurde dabei nach Osten verlegt. Bereits am Palmsonntag 1824 konnte die Saalkirche eingeweiht werden.

In den Jahren 1866 und 1894 bestimmte eine Veränderung im neo-romanischen Stil den Bau: Erweiterung durch eine Apsis, Erhöhung der Decke und deren Kassettierung, Umbau der Fenster mit oberen Rundungen. So entstand der Eindruck einer Basilika.

Im zweiten Weltkrieg wurde die Kirche am 9.11.1942 durch den nahen Einschlag einer Luftmine derart beschädigt, dass man nach notdürftiger Instandsetzung erstmals 1948 in ihr den Weihnachtsgottesdienst feiern konnte.

Die heutige Gestaltung erhielt sie in der Zeit 1951-1962 durch gründliche Renovierung, zu lesen am Schluss-Stein des linken Trägerbalkens neben der Apsis; auf der rechten Seite befindet sich das Christus-Monogramm.

Die Eingangstür zeigt zwei in Holz geschnitzte Reliefs (1), links der Einzug Jesu in Jerusalem, rechts der Zug der heiligen drei Könige, dem Stern folgend.

Beim Eintreten in den Kirchenraum fällt der Blick auf das in der Apsis über dem Altar aufgerichtete Kruzifix, eine Kupfertreibarbeit (2). Am Kreuz halten wir Christen uns fest. Es liegt nahe, an den Anfang eines Gebetes bei der Einweihung zu denken: „Herr, unter dem Kreuz Deines Sohnes laß die Strauchelnden sich aufrichten und die Verirrten sich finden …“

 

Der Altar besteht aus einem fest im Boden verankerten Obernkirchener Sandsteinblock (Jesaja 26,4: „Gott, der Herr, ist ein Fels ewiglich“).Je nach den Kirchenjahreszeiten wird der Altar mit handgewebten, handgestickten farbigen Antependien (3) geschmückt; dazu einige Bemerkungen:

Weiß: Die Farbe des Lichtes für Ostern, Weihnachten und alle übrigen Christusfeste. Im Mittelpunkt steht das Christus­-Monogramm, kreisförmig umgeben von Lilien, Strahlen, bis zur lateinischen Umschrift „Gott von Gott, Licht vom Lichte, wahrer Gott vom wahren Gotte“.

Rot: Auf diesem Antipendium (Ausführung im „Nonnenstich“) steht der unversehrte brennende Dornbusch (die Flamme der Erleuchtung) für das Pfingstfest und weitere Kirchenfeste. Rot ist zugleich Hinweis auf das Opfer der Märtyrer.

Grün: Ausdruck des Wachsenden. Der kräftig verwurzelte Weinstock zeigt an: Christus spricht: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben“. Grün gilt für Epiphanias-, Vorfasten ­und Trinitatiszeit.

Violett: Die Farbe besinnlicher Einkehr für Advents-, Passionszeit, ebenso für Buß- und Bettag, hier ausgeführt im Nonnenstich mit den stachligen Blättern und Beeren des Ilexstrauches.

Das rechte Glasfenster (4) zeigt Christophorus, den trotz seiner Stärke demütigen Diener.

Die Kanzel, errichtet auf dem Sandsteinsockel, ist aus Eichenholz gefertigt. Der Taufstein (5) auf der linken Seite fällt in seiner Form auf: Aus dem viereckigen Fuß (dem Erdhaften) entfaltet sich ein Achteck, als ein altes Zeichen der Vollkommenheit, des Paradieses. In den Stein sind kreuzweise vier Zeichen gemeißelt in dem Sinne, dass die irdische Vergänglichkeit (Schlange und Kreuz mit Totenkopf) durch die Taufe überwunden wird zum ewigen Leben (Keimling und Kreuz mit Krone).

Beide, Taufstein und Kanzelfuß sind wie der Altar aus Oberkirchener Sandstein gestaltet.

Wendet man sich nun wieder zum Ausgang, fällt die Orgel auf der Empore mit ihrem ausgewogenen Prospekt ins Auge. Das Instrument mit vielfältigem Klang stammt aus der Orgelbauwerkstatt Paul Ott, Göttingen.

Diese Anmerkungen mögen helfen, die Atmosphäre des Gotteshauses wahrzunehmen.

 

(1) Gestaltet von Peter van Beeck

(2) Entwurf und Ausführung Claus Hornfeld

(3) Angefertigt in der evangelischen Paramentenwerkstatt „Kloster St. Manenberg“, Helmstedt

(4) Entwurf Hermann Oetken

(5) Entwurf Karl Helmut Wagner

Pressebericht Stadtteil-Kurier vom 29. November 2010 hier.

 

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